Prepaid im Ausland

EU-Roaming mit Prepaid-Karte: Regeln und Fallen

Roam like at home gilt auch für Prepaid. Welche Grenze für Datenvolumen erlaubt ist, was nicht abgedeckt ist und wie Sie typische Kostenfallen vermeiden.

Mit einer deutschen Prepaid-Karte zahlen Sie im EU-Ausland für Telefonate, SMS und mobile Daten dasselbe wie zu Hause. Die Regel heißt Roam like at home und gilt für Prepaid genauso wie für Laufzeitverträge. Die Fallen liegen im Detail: beim begrenzten Datenvolumen, bei Anrufen ins Ausland, bei Sonderrufnummern und bei Netzen, die gar nicht zur EU gehören.

Einen Überblick über alle Reiseziele, auch außerhalb Europas, bietet der Bereich Prepaid im Ausland. Dieser Artikel geht ins Detail für Reisen innerhalb der EU.

Was Roam like at home abdeckt

Die EU-Roamingverordnung gilt in allen 27 Mitgliedstaaten und zusätzlich in Island, Liechtenstein und Norwegen. Für einzelne weitere Nachbarländer der EU wurden die Regeln über eigene Abkommen ausgeweitet oder sind geplant; maßgeblich ist die Länderliste Ihres Anbieters. Sie wurde 2022 bis zum Jahr 2032 verlängert. Für Sie als Prepaid-Kunde heißt das:

  • Inklusivminuten und Inklusiv-SMS gelten weiter, als wären Sie in Deutschland.
  • Gespräche in alle EU-Länder und nach Hause werden wie Inlandsgespräche berechnet, wenn Sie selbst im EU-Ausland sind.
  • Eingehende Anrufe und SMS kosten nichts extra.
  • Ihr Datenvolumen können Sie nutzen, bei Prepaid gegebenenfalls bis zu einer Fair-Use-Grenze.
  • Der Notruf 112 funktioniert in allen EU-Staaten kostenlos.

Seit der Verlängerung soll der Anbieter Ihnen im Ausland außerdem dieselbe Netzqualität bieten wie im Inland, soweit sie dort verfügbar ist. Wenn Ihr Tarif in Deutschland 5G nutzt und das Partnernetz im Urlaubsland 5G anbietet, sollte es also auch dort funktionieren. In der Praxis hängt das vom Roamingabkommen des Netzbetreibers ab.

Roaming oder Auslandsgespräch: der wichtigste Unterschied

Die häufigste Kostenfalle hat mit Roaming gar nichts zu tun. Entscheidend ist, wo Sie sich befinden, wenn Sie anrufen.

Situation Was es ist Abrechnung
Sie sind in Spanien und rufen eine deutsche Nummer an Roaming wie ein Inlandsgespräch
Sie sind in Spanien und rufen eine spanische Nummer an Roaming wie ein Inlandsgespräch
Sie sind in Spanien und werden angerufen Roaming kostenlos
Sie sind in Deutschland und rufen eine spanische Nummer an Auslandsgespräch nach dem Auslandstarif Ihres Anbieters
Sie sind in Spanien und wählen eine spanische Sonderrufnummer Sonderrufnummer kann teurer sein, Hinweis per SMS

Auslandsgespräche aus Deutschland in andere EU-Länder sind seit 2019 ebenfalls im Preis gedeckelt. Prepaid-Tarife enthalten sie aber oft nicht in der Flatrate, sondern berechnen sie pro Minute aus dem Guthaben. Wer vor der Reise vom Sofa aus das Ferienhaus anruft, zahlt also unter Umständen extra.

Die Fair-Use-Grenze beim Datenvolumen

Prepaid-Tarife haben bei Roaming eine Besonderheit. Weil der Anbieter für jedes Gigabyte im Ausland ein Entgelt an das ausländische Netz zahlt, darf er das Roaming-Volumen begrenzen. Für Prepaid sieht die Verordnung eine Rechenregel vor: Das Volumen im EU-Ausland orientiert sich am Guthaben oder Paketpreis geteilt durch ein gesetzlich festgelegtes Großhandelsentgelt pro Gigabyte. Dieses Entgelt sinkt schrittweise bis 2027, deshalb steigt das erlaubte Volumen bei gleichem Preis mit der Zeit.

Was das für Sie bedeutet:

  1. Sehen Sie in der Leistungsbeschreibung oder im Kundenkonto nach, wie viel Volumen im EU-Ausland gilt. Viele Marken nennen den Wert ausdrücklich.
  2. Bei kleinen Paketen deckt sich das Roaming-Volumen oft mit dem Inlandsvolumen. Bei großen Paketen kann es deutlich darunter liegen.
  3. Ist die Grenze erreicht, schickt der Anbieter eine SMS. Danach darf er einen Aufschlag pro Gigabyte berechnen, der ebenfalls gesetzlich gedeckelt ist.
  4. Planen Sie bei längeren Reisen ein Zusatzpaket ein oder laden Sie vorher Guthaben auf. Die Wege dazu beschreibt Guthaben aufladen.

Unbegrenzte Datenflatrates sind im EU-Ausland bei Prepaid fast nie unbegrenzt. Lesen Sie den Abschnitt zum Roaming in der Leistungsbeschreibung, bevor Sie sich auf Streaming im Urlaub verlassen.

Dauerhaft im Ausland: wo die Grenze liegt

Roam like at home ist für Reisende gedacht, nicht für Menschen, die dauerhaft im Ausland leben und einen günstigen deutschen Tarif nutzen. Anbieter dürfen deshalb Ihre Nutzung über einen Zeitraum von mehreren Monaten beobachten. Waren Sie in diesem Zeitraum überwiegend im Ausland und haben dort überwiegend gesurft, darf der Anbieter Sie warnen. Ändert sich das Nutzungsverhalten danach nicht, sind Aufschläge erlaubt.

Für Pendler, Studierende im Auslandssemester oder Saisonarbeit ist das relevant. Wer mehrere Monate am Stück im EU-Ausland verbringt, sollte entweder eine lokale Prepaid-Karte nutzen oder beim deutschen Anbieter nachfragen, wie er mit langen Aufenthalten umgeht. Eine eSIM für das Gastland lässt sich mit einem Dual-SIM-Gerät parallel zur deutschen Nummer betreiben.

Fallen in Grenzregionen

In Grenznähe bucht sich das Smartphone gelegentlich in ein Netz auf der anderen Seite der Grenze ein. Innerhalb der EU ist das unkritisch, weil auch dort Roam like at home gilt. Teuer wird es an Grenzen zu Ländern ohne EU-Regeln:

  • Schweiz: am Bodensee, im Raum Basel, im Schwarzwald und in Vorarlberg kann sich das Handy in ein Schweizer Netz einbuchen.
  • Andere Nicht-EU-Nachbarn: etwa an den Grenzen Kroatiens, Griechenlands oder Rumäniens zu Drittstaaten.
  • Kleinstaaten: Monaco, Andorra und San Marino gehören nicht zur EU. Manche Tarife schließen sie freiwillig ein, andere nicht.

Wählen Sie in solchen Regionen das Netz manuell aus. Auf dem iPhone finden Sie die Einstellung unter Mobilfunk und Netzauswahl, unter Android meist bei den Mobilfunknetzen unter Netzbetreiber. Die genaue Bezeichnung hängt vom Gerät ab. Achten Sie auf die SMS mit Preisinformationen, die beim Einbuchen in ein neues Land kommt: Sie verrät Ihnen, in welchem Netz Sie gerade sind.

Schiffe, Flugzeuge und Satelliten

Auf Fähren, Kreuzfahrtschiffen und in Flugzeugen bieten Betreiber oft eigene Mobilfunknetze an, die per Satellit angebunden sind. Diese Netze gehören nicht zu den Netzen der EU-Länder, die Roamingverordnung greift dort nicht. Die Preise pro Megabyte können ein Vielfaches des Inlandspreises betragen.

Bei Prepaid sind die Kosten zwar auf Ihr Guthaben begrenzt. Ist eine Komfortaufladung aktiv, lädt das Konto aber automatisch nach. Was Sie bei der automatischen Aufladung beachten sollten, lesen Sie unter Komfortaufladung. Am sichersten ist es, an Bord das Datenroaming abzuschalten oder den Flugmodus zu aktivieren und nur das WLAN zu nutzen.

Wenn etwas nicht stimmt

Haben Sie nach einer Reise ungewöhnliche Abbuchungen auf dem Guthabenkonto, prüfen Sie zunächst die Verbrauchsübersicht im Kundenkonto. Dort sehen Sie, in welchem Land und Netz die Verbindungen entstanden sind. Stammen die Kosten aus einem EU-Land, obwohl das Roaming-Volumen noch nicht erreicht war, beschweren Sie sich schriftlich beim Anbieter. Hilft das nicht, beraten die Verbraucherzentralen, und die Bundesnetzagentur bietet ein Schlichtungsverfahren an.

Checkliste vor der EU-Reise

  1. Roaming-Volumen im Kundenkonto oder in der Leistungsbeschreibung nachsehen.
  2. Prüfen, ob das Reiseziel wirklich zur EU-Roamingzone gehört, besonders bei Kleinstaaten und Schweiz-nahen Regionen. Die Länderliste Ihres Anbieters ist maßgeblich, denn einzelne Nachbarstaaten der EU können durch eigene Abkommen hinzukommen.
  3. Paketlaufzeit kontrollieren: Verlängert sich das Paket während der Reise, muss genug Guthaben auf dem Konto sein.
  4. Datenroaming einschalten, sonst funktioniert mobiles Internet im Ausland nicht. Auf Schiffen wieder ausschalten.
  5. Offline-Karten und Tickets vorab im WLAN laden, um das Roaming-Volumen zu schonen. Weitere Tipps stehen unter Datenvolumen sparen.
  6. Auslandsgespräche aus Deutschland ins Reiseland vor der Abreise erledigen oder über einen Messenger führen.

Wenn Sie noch keinen passenden Tarif haben, finden Sie unter Prepaid-Tarife die Bausteine, auf die es bei Datenvolumen und Laufzeit ankommt. Für Reisen in die Schweiz, die Türkei oder in die USA gelten andere Regeln, die der Artikel zum Roaming außerhalb der EU erklärt.

Fragen und Antworten

Häufige Fragen

Wie viel Datenvolumen habe ich mit Prepaid im EU-Ausland?

Das hängt vom Tarif ab. Bei Prepaid darf der Anbieter das Roaming-Volumen nach einer Formel aus Guthaben oder Paketpreis und einem gesetzlichen Großhandelsentgelt begrenzen. Die konkrete Zahl steht in der Leistungsbeschreibung oder im Kundenkonto. Ist sie erreicht, muss der Anbieter Sie per SMS informieren.

Kostet ein Anruf aus Italien nach Deutschland extra?

Nein. Wenn Sie sich in Italien aufhalten und eine deutsche Nummer anrufen, wird das wie ein Inlandsgespräch abgerechnet. Extra kosten kann es dagegen, wenn Sie von Deutschland aus eine italienische Nummer anrufen. Das ist kein Roaming, sondern ein Auslandsgespräch.

Darf ich mit meiner Prepaid-Karte dauerhaft im EU-Ausland surfen?

Nur eingeschränkt. Roam like at home ist für Reisen gedacht. Anbieter dürfen prüfen, ob Sie den Tarif überwiegend im Inland nutzen. Stellen sie über einen längeren Zeitraum überwiegend Auslandsnutzung fest, dürfen sie nach einer Warnung Aufschläge berechnen. Wer längere Zeit im Ausland lebt, fährt mit einem lokalen Tarif meist besser.

Gilt EU-Roaming auch auf der Fähre nach Skandinavien?

Nur solange Ihr Handy in einem Landnetz eingebucht ist. Auf offener See wechselt es oft in ein Satellitennetz des Schiffs, für das die EU-Regeln nicht gelten. Schalten Sie das Datenroaming auf Fähren und Kreuzfahrtschiffen vorsorglich ab und nutzen Sie das WLAN an Bord.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026. Fehler entdeckt? Schreiben Sie der Redaktion.