Prepaid im Ausland

Mit Prepaid in die Schweiz, Türkei oder USA: Roaming außerhalb der EU

Schweiz, Türkei, Großbritannien und Fernreiseziele fallen nicht unter die EU-Regeln. So vermeiden Sie hohe Kosten und finden die passende Lösung für Ihre Reise.

Außerhalb der EU gilt Roam like at home nicht. Wer mit einer deutschen Prepaid-Karte in die Schweiz, in die Türkei, nach Großbritannien oder in die USA reist, zahlt die Auslandspreise des eigenen Anbieters, und die können pro Megabyte oder Minute ein Vielfaches des Inlandspreises betragen. Die Lösung ist fast immer eine von drei Möglichkeiten: eine Auslandsoption des Anbieters, eine Reise-eSIM oder eine lokale Prepaid-Karte.

Die Regeln innerhalb der EU erklärt der Artikel EU-Roaming mit Prepaid. Einen Überblick über alle Reiseziele gibt der Bereich Prepaid im Ausland.

Warum Roaming außerhalb der EU teuer ist

Innerhalb der EU sind die Entgelte, die Netzbetreiber untereinander für Roaming verlangen dürfen, gesetzlich gedeckelt. Mit der Schweiz, der Türkei oder den USA gibt es diese Deckelung nicht. Jeder Anbieter handelt eigene Abkommen aus und legt die Endkundenpreise selbst fest. Meist teilen Prepaid-Marken die Welt in Länderzonen ein, für die unterschiedliche Preise gelten.

Typisch sind drei Kostenquellen:

  • Mobile Daten: pro Megabyte oder in Datenpässen abgerechnet. Hintergrund-Updates und automatische Foto-Uploads können unbemerkt viel Guthaben verbrauchen.
  • Ankommende Anrufe: Anders als in der EU können auch eingehende Gespräche kosten, ebenso die Mailbox, wenn ein Anruf dorthin umgeleitet wird.
  • Abgehende Anrufe und SMS: pro Minute oder SMS, oft mit hohen Preisen in Fernreisezonen.

Die wichtigsten Reiseziele im Überblick

Ziel Status Worauf Sie achten sollten
Schweiz kein EU- oder EWR-Mitglied Länderliste des Tarifs prüfen, in Grenzregionen Netz manuell wählen
Vereinigtes Königreich seit dem Brexit Drittland viele Tarife schließen es freiwillig ein, das kann sich ändern
Türkei Drittland Auslandsoption oder Reise-eSIM vergleichen
Balkan außerhalb der EU Drittland Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, Nordmazedonien prüfen
USA und Kanada Fernreisezone Datenpaket oder Reise-eSIM, Gerät muss 4G mit Telefonie unterstützen
Asien, Afrika, Südamerika Fernreisezone lokale SIM oder Reise-eSIM meist am günstigsten
Schiffe und Flugzeuge Satelliten- und Bordnetze Datenroaming aus, nur Bord-WLAN

Ob ein Land im Tarif enthalten ist, entscheidet der Anbieter. Die Angaben ändern sich gelegentlich. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf Erfahrungen vom letzten Urlaub, sondern sehen Sie vor jeder Reise in die aktuelle Preisliste.

Schweiz

Die Schweiz ist das Land, in dem deutsche Reisende am häufigsten von hohen Roamingkosten überrascht werden, weil sie geografisch mitten in Europa liegt. Manche Prepaid-Tarife behandeln sie wie ein EU-Land, andere nicht. Achten Sie auch auf Grenzregionen wie den Bodensee oder den Raum Basel: Dort kann sich das Handy schon auf deutscher Seite in ein Schweizer Netz einbuchen.

Vereinigtes Königreich

Seit dem Austritt aus der EU gehört das Vereinigte Königreich nicht mehr zur Roamingzone. Viele deutsche Prepaid-Tarife behandeln es trotzdem weiterhin wie ein EU-Land, weil die Anbieter das freiwillig anbieten. Eine Garantie dafür gibt es nicht, und einzelne Marken haben ihre Bedingungen in der Vergangenheit geändert. Sehen Sie deshalb vor jeder Reise nach London, Schottland oder Nordirland in die aktuelle Länderliste. Steht das Vereinigte Königreich nicht in der EU-Zone Ihres Tarifs, gelten die Preise für Drittländer.

Türkei

Für die Türkei bieten viele Marken Auslandsoptionen oder Datenpässe an. Bei einem längeren Aufenthalt mit türkischer SIM-Karte ist zu bedenken, dass ausländische Geräte nach einer bestimmten Nutzungsdauer im türkischen Netz registriert werden müssen. Für einen Badeurlaub ist eine Reise-eSIM oder die Option des deutschen Anbieters meist die einfachere Lösung.

USA

In den USA haben die Netzbetreiber ihre 3G-Netze abgeschaltet. Telefonie läuft dort über 4G mit VoLTE oder über 5G. Ältere Geräte oder Tarife ohne VoLTE-Roaming können deshalb zwar surfen, aber keine normalen Anrufe führen. Prüfen Sie vor der Reise, ob Ihr Anbieter VoLTE im Roaming in den USA unterstützt, oder telefonieren Sie über WLAN-Call und Messenger.

Drei Wege, Kosten zu vermeiden

1. Auslandsoption des Anbieters

Viele Prepaid-Marken bieten für Drittländer buchbare Optionen an: Datenpässe für einige Tage, Minutenpakete oder Reisewochen. Der Vorteil ist, dass alles über die gewohnte Karte und Nummer läuft. Der Nachteil sind oft vergleichsweise kleine Datenmengen. Buchen Sie die Option vor der Abreise und prüfen Sie, ob genug Guthaben auf dem Konto ist.

2. Reise-eSIM

Reise-eSIMs sind reine Datentarife für ein Land oder eine Region, die Sie online kaufen und per QR-Code oder App auf das Smartphone laden. Mit einem Dual-SIM-Gerät bleibt Ihre deutsche Prepaid-Karte gleichzeitig aktiv, Sie sind unter Ihrer Nummer erreichbar und surfen über die Reise-eSIM.

  1. Prüfen Sie, ob Ihr Smartphone eSIM unterstützt und keine Netzsperre hat.
  2. Kaufen Sie die eSIM bei einem bekannten Anbieter und laden Sie sie vor der Abreise im WLAN herunter.
  3. Stellen Sie in den Einstellungen ein, dass mobile Daten über die Reise-eSIM laufen.
  4. Schalten Sie für die deutsche Karte das Datenroaming ab.
  5. Löschen Sie die Reise-eSIM nach der Reise, wenn Sie sie nicht wieder aufladen wollen.

Wie eSIM und Dual-SIM im Detail funktionieren, erklärt der Bereich eSIM mit Prepaid.

3. Lokale Prepaid-Karte

Bei längeren Aufenthalten ist eine Prepaid-Karte aus dem Reiseland oft die günstigste Lösung, gerade wenn Sie dort auch telefonieren. Sie erhalten eine lokale Nummer und Inlandspreise. In vielen Ländern müssen Sie sich beim Kauf mit dem Reisepass registrieren. Kaufen Sie die Karte in einem offiziellen Shop des Netzbetreibers, nicht bei fliegenden Händlern.

Mit einer lokalen Karte ändert sich Ihre Nummer. Wer unter der deutschen Nummer erreichbar bleiben will, legt die deutsche Karte in den zweiten Steckplatz eines Dual-SIM-Geräts oder behält sie als eSIM, schaltet für sie aber das Datenroaming ab. Messenger wie WhatsApp oder Signal bleiben an die bisherige Nummer gebunden und funktionieren über die lokalen Daten weiter.

Was Sie vor der Abreise einstellen sollten

  • Datenroaming für die deutsche Karte ausschalten, bis Sie wissen, was es kostet.
  • Mailbox abschalten oder Rufumleitung deaktivieren, damit umgeleitete Anrufe kein Guthaben verbrauchen.
  • Automatische Updates, Foto-Backups und Cloud-Synchronisation auf WLAN beschränken.
  • Komfortaufladung pausieren, damit das Guthaben eine natürliche Kostengrenze bleibt.
  • Offline-Karten, Tickets und Reiseunterlagen vorab herunterladen.
  • Sperrnummer des Anbieters notieren, falls das Handy verloren geht.

Mehr Einstellungen, die mobile Daten sparen, finden Sie im Artikel Datenvolumen sparen am Smartphone.

Die Kostenbremse für mobile Daten

Für mobile Daten im Roaming gibt es eine Kostenbremse aus dem EU-Recht. Anbieter müssen Sie warnen, wenn ein voreingestellter Betrag fast erreicht ist, und die Datenverbindung danach unterbrechen, bis Sie zustimmen. Diese Bremse soll nach Möglichkeit auch außerhalb der EU greifen. In Satellitennetzen und bei manchen Partnernetzen funktioniert sie aber nicht zuverlässig. Bei Prepaid ist das wichtigste Sicherheitsnetz deshalb das Guthaben selbst: Mehr als aufgeladen ist, kann nicht verbraucht werden, solange keine automatische Aufladung aktiv ist.

Eine SMS mit Preisinformationen beim Einbuchen in ein Drittland ist kein Werbespam. Sie zeigt Ihnen die aktuellen Preise für Anrufe, SMS und Daten. Lesen Sie sie, bevor Sie das Datenroaming einschalten.

Fragen und Antworten

Häufige Fragen

Ist die Schweiz bei deutschen Prepaid-Tarifen inklusive?

Nicht automatisch. Die Schweiz gehört weder zur EU noch zum Europäischen Wirtschaftsraum. Einige Tarife schließen sie freiwillig ein, viele berechnen sie als Drittland. Ob Ihr Tarif dazugehört, steht in der Länderliste oder Preisliste des Anbieters.

Ist eine Reise-eSIM für die USA sinnvoll?

Für mobile Daten meist ja. Reise-eSIMs bieten Datenpakete für ein Land oder eine Region, die in der Regel deutlich günstiger sind als Roaming mit dem deutschen Tarif. Voraussetzung ist ein eSIM-fähiges Smartphone ohne Netzsperre. Ihre deutsche Nummer bleibt bei Dual-SIM für Anrufe und SMS erreichbar.

Kann eine Prepaid-Karte im Ausland ins Minus rutschen?

In der Regel verbraucht eine Prepaid-Karte nur das vorhandene Guthaben, das begrenzt die Kosten. Ist allerdings eine Komfortaufladung eingerichtet, lädt das Konto automatisch nach und die Kostengrenze entfällt. Prüfen Sie das vor einer Reise in ein Drittland.

Brauche ich in der Türkei eine türkische SIM-Karte?

Für einen kurzen Urlaub reicht oft eine Auslandsoption oder eine Reise-eSIM. Bei einer türkischen SIM-Karte ist zu beachten, dass im Ausland gekaufte Geräte nach einer gewissen Nutzungsdauer im türkischen Netz registriert werden müssen. Erkundigen Sie sich vor Ort, welche Regeln für Ihren Aufenthalt gelten.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026. Fehler entdeckt? Schreiben Sie der Redaktion.